Mit dem Programm «ÖV-Ticket 2020» macht sich die Branche fit für das Zeitalter der Digitalisierung. In drei Projekten werden fundamentale Erneuerungen in der Organisation der Branche, im Tarifwesen und im künftigen Vertrieb aufgegleist.


Governance 2020

Die «Governance 2020» vereinheitlicht und vereinfacht die Organisationsstruktur des öffentlichen Personenverkehrs in der Schweiz. Die bisher weitgehend getrennten Domänen des Direkten Verkehrs mit seinem nationalen Tarif und der Verbünde mit ihren regionalen Tarifen werden unter einem neuen Dach zusammengeführt. Neue gemeinsame Gremien und Prozesse ermöglichen rasche Entscheidungen bei grösstmöglicher Verbindlichkeit für die ganze Branche. Sie führen somit insgesamt zu einer Stärkung des öffentlichen Verkehrs.

Ein abgestimmtes Vorgehen des Direkten Verkehrs und der Verbünde ist unabdingbar, um das Erfolgsmodell «ÖV Schweiz» auch für die Zukunft zu sichern.

Grundlage der Governance 2020 bildet ein neues Übereinkommen, das verbindliche Regeln für die Zusammenarbeit innerhalb der Branche festlegt und schrittweise die bestehenden Branchenübereinkünfte ersetzt.

Tariflandschaft 2020

Zukünftig soll jede Fahrt in der Schweiz mit einem einzigen ÖV-Ticket machbar sein. Dafür wird der Tarif im Projekt «Tariflandschaft 2020» vereinfacht und schweizweit so weit als möglich vereinheitlicht. Landesweit einheitliche Tarifnebenbestimmungen, z.B. bezüglich Altersgruppen oder der Mitnahme von Tieren, werden die wenigen noch bestehenden Unterschiede zwischen dem Direkten Verkehr und den Verbundtarifen eliminieren. Zudem sollen landesweit einheitliche Standards, etwa für Vertriebssysteme oder Ticketkontrollen, die Benutzung des Systems für die Fahrgäste und die Branche vereinfachen.

Die neue Tariflandschaft vereinfacht die Benützung des öffentlichen Verkehrs für die Fahrgäste und die Branchenteilnehmer.

Grundprinzip der neuen Tariflandschaft bildet die Beibehaltung der Vorteile von national und regional ausgeübter Tarifgestaltung. So wird sichergestellt, dass die finanzielle Verantwortung der Transportunternehmen wie auch der Besteller des öffentlichen Verkehrsangebotes – namentlich der Kantone und des Bundes – berücksichtigt werden. Dieses Vorgehen wird von den Kantonen, die den Grossteil des Betriebs des öffentlichen Verkehrs in den Regionen finanzieren, begrüsst und unterstützt. Es wird somit weiterhin regionale Sortimente für die verschiedenen Teilmärkte geben. Dies entspricht auch den Kundenbedürfnissen.

Vertriebslandschaft 2020

Die Digitalisierung wird die Art und Weise verändern, wie Menschen Mobilitätsangebote nutzen. Das Vorhaben «Vertriebslandschaft 2020» will den Zugang zum öffentlichen Verkehr für alle Kundensegmente noch einfacher zu gestalten. Angestrebt wird ein offenes, standardisiertes System, das die Vorteile der heutigen und künftigen technologischen Möglichkeiten nutzt. Zum einen sollen die bewährten Verkaufskanäle («Pre-Payment»: Bezahlung vor der Fahrt) um neue Angebote erweitert werden. Beispielsweise wird die Entwicklung von modernen, benutzerfreundlichen Tablet-Automaten konzipiert. Zum andern soll die zukünftige Vertriebslösung auch neue Preisfindungsmodelle beinhalten («Post-Pricing»: Bezahlung nach der Fahrt). So sind in der Schweiz bereits Smartphone-Anwendungen auf dem Markt, die eine Fahrt digital erfassen und dem Kunden automatisch das korrekte Ticket berechnen. Im Rahmen des Projekts sollen die verschiedenen Markttests solcher Apps koordiniert und daraus landesweit verbindliche Standards sowie Hintergrundsysteme entwickelt werden. In diesem Zusammenhang befasst sich das Projekt auch mit den Themenkreisen Datenschutz und anonymes Reisen. Im Übrigen kümmert sich das Projekt zudem um die Harmonisierung von Kundenberatung, -information und -service.